Sonntag, 20. Dezember 2015

Chirurgen in Rosengärten

Osmanische Chirurgen wurden im Sinne ihrer Weiterbildung interessanterweise in Rosengärten geschickt: Dort schnitten sie an den Rosen, pflegten und stutzten sie. Hin - und wieder schnitten sie sich selbst an den Dornen und bluteten. Sie mussten feststellen, dass es keine Rose ohne Dornen gibt. Und dass es die Hingabe an ihnen war, die sie wertvoll machte. Die Chirurgen mussten schmerzhaft feststellen, dass die Rosen, die sie pflegten, sie genauso verletzen konnten wie betören. Die Arbeit in den Rosengärten sollte eine Atmosphäre des Wohlwollens schaffen und die Chirurgen verzaubern: Die Rosen sollte ihr Gefühlsleben anregen und sie zur Empathie gegenüber Menschen verleiten, die ebenfalls Dornen haben können. Und nicht zuletzt sollten sie anhand der Schmerzen, die ihnen die Dornen zufügten, gewarnt sein die Schnitte an ihren Patienten möglichst klein zu halten, um ihnen vergleichbare Schmerzen zu ersparen.

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