Freitag, 18. Dezember 2015

Geliebte Feinde

Wer keine Freunde hat, kann hier getrost aufhören weiterzulesen!
Wer Feinde hat, kann auch aufatmen, alle anderen müssen etwas beachten:


Ein Feind ist als "Feind" gesetzt und als solcher klar identifizierbar: Ja, er kann dir Schaden zufügen - aber bestenfalls nichts, womit du nicht gerechnet hast. Er tut alles nur von "amtswegen" - du selbst hast ihn schliesslich mit dieser Rolle betraut. Jeder sucht sich den Feind aus, der ihm in gewisser Hinsicht "gut" tut. Aber auch wenn mit ihm zu rechnen ist, sollte man sich aus Ermangelung von Freunden lieber keine Feinde machen. Niemand kann existenziell so wichtig sein, dass man ihn zu seinem Feind ernennt - es gleicht einem Richterschlag.

Hat einer also das Stigma des Feindes erhalten, dann eben deswegen, weil er zu bestimmtem kontroversen Verhalten neigt - und dieses Verhalten ist meistens berechenbar.

Dein Freund dagegen ist viel unberechenbarer und unzuverlässiger: Er kann dein Vertrauen missbrauchen, er kann dich verraten - was dein Feind laut Definition nicht mehr kann. Während du von deinem Feind nichts Gutes erwartest, kann sich ein vermeintlicher Freund wider Erwarten verhalten und dir großen Schaden zufügen.

Insofern muss du darauf achten, was du deinem Freund mitteilst. Vertraue ihm nicht zuviel an, er könnte eines Tages dein Feind werden. (Auf der anderen Seite: Sei nicht zu schlecht zu deinem Feind, er könnte eines Tages dein Freund werden.) Nichts, was eines Tages in falsche Hände geraten und gegen dich verwendet werden könnte. Sobald du ihm das Gefühl gibst, dass er unverzichtbar ist, wirst du der erste sein, auf den er verzichtet. "Und meistens lernt man einen Menschen am besten im Moment der Trennung kennen." Ab dann wird er zu deinem Feind, den du dann aber zumindest kennst und der sich nur "arte legis" verhält. Ab dann kannst du wieder aufatmen. ;-)


Wenn es irgendwann still wird um dich und keine Kritik an deiner Person mehr zu hören ist, heißt es nicht, dass du Perfektion erlangt hast: Wenn dir niemand deine Fehler um die Ohren haut, heißt es nicht, dass du keine hast, sondern nur, dass du keinen hast, der das tut. Spätestens dann brauchst du wieder einen Freund und musst dich fragen, wie er denn beschaffen sein sollte. Ganz einfach:

Das ist "jemand, der dich mag, obwohl er dich kennt. Jemand, in dessen Anwesenheit du laut denken kann."

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