Donnerstag, 28. Januar 2016

Nähe oder Distanz?

Es klingt paradox: Es gibt tatsächlich Menschen, die meiden den Kontakt zu denen, die sie eigentlich mögen. Sie wollen das Bild von sich selbst, das sie glauben ihnen vermittelt zu haben, nicht gefährden. Dieses Bild soll eine Weile in Erinnerung bleiben und nachwirken, sie wollen es nicht durch unüberlegte Worte oder Taten besudeln. Sie halten dieses Bild für ein Versprechen, das es auf alle Fälle einzuhalten gilt.


Dann gibt es Menschen, die sind mit Leuten zusammen, weil sie die Einsamkeit nicht aushalten – nicht weil sie so großen Wert auf sie legen. Und ehrlich gesagt, hat der erste Typ Mensch meine ganze Sympathie: Er mag vielleicht ein Träumer sein, aber er hält sein Versprechen ein. Er konsumiert keine Menschen und arbeitet im Stillen an der Beziehung, die er durch Reserviertheit schützen will. Natürlich kann sein Gegenüber die „warmherzige“ Distanz falsch deuten.

Dieser Typ Mensch braucht nicht die ständige Zweisamkeit, oft genügt er sich ganz selbst. Aber er ist auch nicht einsam, er ist von zeit zu zeit allein (!) – was ganz anderes ist! Und allein die Gewissheit, dass etwas weiter weg jemand an ihn denkt und sich mit ihm verbunden fühlt, ist für ihn erfüllender als physische Anwesenheit es je sein könnte.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen