Mittwoch, 27. Januar 2016

Träume als Lebensversicherung

Eine traumhafte Geschichte aus "Der Alchimist": Ein andalusischer Hirte träumt von einem Schatz, der am Fuße der Pyramiden begraben ist. Er ist hin - und hergerissen. Soll er die Brücken hinter sich abreißen? Soll er alles, was er hat und dem er sich verpflichtet fühlt, aufgeben, um einem ungewissen Traum nachzugehen?

Er tut es.

Über die Meerenge von Gibralter wandert er nach Nordafrika, vor Augen Ägypten. Doch seine anfängliche Euphorie versandet mit der Zeit, es drängen sich Gelegenheiten auf sich niederzulassen. Die spürbare Realität widerspricht dem Traum, einem vermeintlichen Hirngespinst. Zuletzt stellt sich das Argument mit der größten Durchschlagskraft: Eine Liebe, die ihn auffordert hier und jetzt Wurzeln zu fassen - und den Traum auf sich beruhen zu lassen.

Schließlich die Schlüsselszene: Unser Hirte begegnet einem alten Händler. Dessen größter Wunsch ist es die Hadj, die islamische Pilgerfahrt, anzutreten. Und dennoch tritt dieser die Reise nicht an, dennoch scheint ihn irgendetwas zurückzuhalten. Es wird nun offensichtlich, dass es seine eigene Angst ist, die ihn hindert seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen. Nicht die Angst den Weg nicht finden oder zu scheitern. Es ist die Angst den ureigensten Traum zu verlieren, indem man ihn erfüllt. Die Sehnsucht das Leben einzubüßen, die Hoffnung zu verlieren, die einen beseelt. Ist der sehnlichste Traum erfüllt, stirbt ein Teil von einem, man verliert den Sinn des Lebens.

Und so geht es vielen von uns.


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