Montag, 4. Januar 2016

Vom Sklaven, der nicht frei sein will

Die Ketten sind gesprengt. Die Freiheit vom ihnen führt nun aber zu einer neuen Bindung, an der man mit Hingabe und Stolz schmiedet. Denn, was das Wort Freiheit verschweigt, ist die anschließende „freiwillige“ Bindung, die einem im Rausch der vermeintlichen Freiheit nich bewusst ist. Mit anderen Worten: Was einem die erlangte Freiheit "behutsam" anlegt, ist nicht etwa ein wärmender Mantel sondern die nächsten Ketten. Und nichts ist erniedrigender und gefährlicher für die Sache der Freiheit, als ein Sklave, der seine Ketten mit Stolz trägt - weil er sie nicht als solche erkennt und weil sie eben seine sind.


Nicht ist unerträglicher für den ewigen Sklaven als die überfordernde Vielzahl an neuen Möglichkeiten, während einem früher nur eine einzige erlaubt war. Ist die Freiheit also erlangt, muss man lernen mit ihr umzugehen bevor sie einem den Kopf verdreht und man in Exzessen zugrunde geht.

Es gibt die Geschichte vom Sklaven, der von seinen Ketten befreit wird: Etwas später kehrt er zu seinem alten Herrn zurück, reumütig - und bittet darum weiterhin zu seinen Diensten zu stehen. Was es bedeutet frei zu sein, hatte er niemals gelernt.

Das kann jetzt keine Option sein, es gibt kein zurück mehr! Es gibt kein zurück, einfach deshalb, weil wir unseren Herrn ermordet haben. Denn der Sklave möchte nicht frei sein, er möchte Sklavenhalter sein.

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