Mittwoch, 24. Februar 2016

Glaube im Sinne der "Aufklärung"

Als ich vor 3 Jahren nach Mekka reiste, wollte ich eine religiöse Erfahrung machen. In einer Zeit, in der die Wahrnehmung des Religiösen durch politischen Ideologien und  durch Vorurteile verzerrt ist, wollte ich sozusagen an der "Quelle" erfahren was "Glauben" bedeutet. Es sollte eine subjektive Erfahrung werden - auf der anderen Seite hatte ich die Schriften von Wiliams James dabei, dem Vater der modernen Psychologie und Religionspsychologie.


In Leinentüchern, die an Leichentücher erinnern, umrundeten wir die Kaa'ba, das Herzstück des Islam. Es war als würden wir die "Generalprobe des Jüngsten Tages" absolvieren, um dann eine 2. Chance zu erhalten und zurück ins Leben zu dürfen. Nach einem Aufenthalt in der Zeltstadt auf dem Berg Arafat, pilgerten wir zu den "Säulen des Teufels", um sie symbolisch zu steinigen. Dann endlich erhielten wir den Titel "Haci", der einen großen Stellenwert in der islamischen Welt besitzt und mit Pflichten einhergeht.

Zurück in Deutschland machte ich mir viele Gedanken über das, was ich in Mekka und Medina erfahren durfte. Als Gasthörer besuchte ich Vorlesungen an der Universität über "Vernunft und Glauben" und beschäftigte mich mit Religionsphilosophie. Faszinierend fand ich die vernachlässigten mystischen Strömungen des Islams, den Sufismus, der ein Gegenpol zum "orthodoxen Religionsverständnis" bilden.

Mein Ziel war es nun "Vernunft" und "Glauben" miteinander zu versöhnen und heilsam auf Jugendliche in meiner Umgebung einzuwirken, die durch gesellschaftliche Ausgrenzung von einer Radikalisierung bedroht sind.

Dafür muss ich erkennen, was ein "gesunder Glauben" ist. Eine Frage, die schwierig zu beantworten ist, da es keinen standardisierten Glauben gibt. Was aber ganz sicher ist: Um lebendig zu sein, darf er sich nicht in Ritualen erschöpfen, sondern muss in der Ausgestaltung einer persönlichen Beziehung zu Gott erfolgen. Um aufrichtig zu sein, muss er stillschweigend erfolgen und nicht als demonstrierte Religiosität dahergehen. Er darf nicht arrogant oder missionarisch sein.

Bedroht ist diese Ausgestaltung durch die Politisierung der Religion. Nicht förderlich für eine subjektive religiöse Erfahrung sind paradoxerweise religiöse Institutionen, wenn sie strikte standardisierte Glaubensvorlagen liefern und die alleinige Deutungshoheit für sich beanspruchen. Zum zweifelhaften Ruhm hat es in dieser Hinsicht der Vatikan gebracht - mit all seinen vergreisten "Angestellten" und seinen verknöcherten Strukturen.

Jedes Religionsverständnis, das den Menschen in seinen Fähigkeiten lähmt und handlungsunfähig macht, lehne ich ab!

Aber auch jede "Verteufelung" des Glaubens, der ein Grundbedürfnis des Menschen ist! Vermeintliche Aufklärer sind in ihrer blinden Intoleranz gegenüber jede Form des Glaubens den Fundamentalisten näher als sie glauben. Was sie nicht verstehen wollen: Gerade ein "richtig" ausgelebter Glaube ist im Sinne einer richtig verstandenen "Aufklärung"  das stärkste Bollwerk gegen Radikalisierung und Fundamentalismus! Statt ein gesundes Religionsverständnis zu fördern, verschwenden sie ihre Kraft darin die Vernunft gegen den Glauben auszupielen.

Was klar sein sollte:

Wenn man Gott weder beweisen noch widerlegen kann, sollte niemand, Menschen für "dumm" verkaufen, die sich für den Glauben entscheiden! Wer sich für ein "richtiges" Glaubensverständis einsetzt, tut mehr gegen Fundamentalismus als jemand, der den Glauben als Ganzes kategorisch ablehnt und damit einer Radikalisierung Vorschub leistet!

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