Samstag, 6. Februar 2016

Politik und Religion

 1.) Die Religion wird heutzutage in ihrer extremsten Form und Radikalität wahrgenommen. Die meisten Gläubigen sind keine Fundamentalisten, aber dennoch wird diese überragende Mehrheit nicht als die wahre Gruppe der Religiösen dargestellt und wahrgenommen.  Vielmehr wird suggeriert, dass, wenn jemand seine Religion "richtig" verstehen würde, er zwangsläufig zu diese Gruppe der Fundamentalisten aufschließen würde. Man hält den Menschen also vor wie sie ihre Religion "richtig" zu verstehen haben, also in seiner radikalsten Form.

2.) Die Religion in ihrer radikalen Form wird durch eine verzerrte mediale Darstellung sogar gefördert, um im Namen der vermeintlichen "Aufklärung" als Phänomen bekämpft werden zu können. Wer ist der Nutznießer? - Der Kapitalismus, dem jede Ethik ein Hemmschuh ist. Das Perfide ist eben, dass es im Namen der "Aufklärung" geschieht.

3.) Da dass Christentum als Religion im säkularisierten Westen quasi nicht mehr existiert, wird diejenige Religion stellvertretend bekämpft, die noch "am Leben" ist: Der Islam. Der Kampf gegen ihn, muss als der Kampf einer säkularisierten Gesellschaft gegen die Religion an sich verstanden werden. Einer Gesellschaft, die ihre Vernunfttätigkeit im Kampf gegen den Glauben schärfen und sich als "Aufklärer" profilieren möchte. Wer die "europäische Aufklärung" aber richtig verstanden hat, weiß, dass es ihr nicht darum ging den Glauben zu vernichten, sondern sich von denen zu emanzipieren, die den Glauben missbrauchten.

4.) Als Ursache des Terrors wird der islamistische Fundamentalismus angesehen. Eine Schar von  Experten versucht nun den Kern dessen herauszuschälen und zu verstehen, wie aus religiösen Menschen Extremisten werden. Der Koran wird als ein Werk verstanden dargestellt, dessen unsachgemäßer Gebrauch potentielle Terroristen züchtet. Wie Psychoanalytiker aber erklären, ist es falsch eine religiöse Ideologie als Ursache des Terros anzusehen und zu bekämpfen. Der Grund des Terrors liegt vielmehr in der gestörten Entwicklung von Jugendlichen, die zeitlebens diskriminiert wurden und durch die Aneignung einer gewalttätigen Ideologie - welcher auch immer! - die Machtverhältnisse umkehren. Den Islam als Religion zu bekämpfen, um die Ursachen des Terrors zu beseitigen, ist definitiv der falsche Ansatz! Es muss vielmehr verstanden werden, wie junge Menschen aus der Spur geraten, um dann irgendwann anfällig für eine Ideologie zu werden. Man verhindert dies nicht, indem man ihre Kultur bekämpft und auch nicht, indem man Ideologien in Augenschein und ins Zievisier nimmt. Man verhindert es, indem man sie und ihre Kultur gesellschaftlich nicht diskriminiert. Werden sie aufgrund ihrer kulturellen Zugehörigkeit als potentielle Terroristen angesehen und ausgeschlossen, passiert genau das, was man vermeiden möchte: Man treibt sie in die Hände von Ideologien, die nur die Form der betreffenden Kultur angenommen haben. Die Kultur oder Religion an sich jedenfalls ist nicht die Ursache von Gewalt und Terror. Das Lesen von religiösen Texten macht einen Menschen nicht gewalttätig, so wenig wie es einen Menschen barmherzig macht. Insofern glaube ich nicht, dass die Welt ohne Religion eine friedlichere wäre.

Der Westen muss sich mit der "Religion" versöhnen statt sie als vermeintliche Ursache des Terros zu bekämpfen. Dessen Ursachen sind in den sozialen und politischen Bedingungen zu suchen, in denen Individuen und Gesellschaften empfänglich werden für Ideologien.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen