Freitag, 19. Februar 2016

Kliniken und Nebenwirkungen

Ob er denn den Druck auf seinen Schultern spüre, den der Beruf bei solch´  einem renommierten Fußballverein mit sich bringe? Die Antwort des walisischen Trainers an die Sportjournalisten war ehrlich und unerwartet: Ja, die Arbeit sei stressig und belastend, aber wahrer Druck sei etwas ganz Anderes: Wahrer Druck sei der, der auf den Schultern von Minenarbeitern mit schwarzen Gesichtern laste, die tief unterhalb der Erdoberfläche bleischwere Luft einatmen müssen.


Es liegt aber nicht nur am Druck, dem wir permanent ausgesetzt sind, dass ich mir manchmal wie ein Minenarbeiter vorkomme. So muss ich in den Wintermonaten in den dunklen Morgenstunden zur Arbeit und kehre erst in den dunklen Abendstunden wieder zurück - als wäre die Sonne niemals aufgegangen! Wenn ich dann noch Nachtdienst habe, sehe ich die Sonne zwar am nächsten Morgen nach 24 Stunden, aber nur kurz bevor ich mich dann in der Helligkeit schlafen legen darf.


So hat - wie jeder ernsthaft ausgeübte Beruf - auch der des Arztes seine Schwierigkeiten: Schließlich ist es kein Beruf, den man nach der Arbeit einfach so ruhen lassen kann: Ist man Arzt, bleibt man es auch nach der Arbeit. Man kann ja nicht einfach sagen "Leute, ich habe Feierabend, also nehmt Rücksicht und bleibt gesund!" Natürlich wäre es wunderbar, wenn das gehen würde - ich meine im Sinne der Gesundheit der Patienten! ;-)


Nein, man ist auch nach der Arbeit Anlaufstelle für seine Mitmenschen. Nur sind einige gestellte Fragen schwieriger zu beantworten als in der Klinik: Denn schließlich fehlen einem jegliche diagnostischen Mittel, die in der Klinik zur Verfügung stehen. Man kann dann zwar spekulieren, worauf diese oder jene Beschwerden zurückzuführen sein könnten, aber eine Konsequenz hat dies - falls es nichts Akutes sein sollte - leider (?) nicht: Der Freund oder Angehörige, wird am nächsten Tag definitiv keinen Arzt aufsuchen! Egal, was man sagt oder empfiehlt, gegenüber den Ratschlägen von Ärzten herrscht eine gewisse Gleichgültigkeit, solange der Leidensdruck nicht groß genug ist. Besonders wenn ich in meiner "Freizeit" konsultiert worden bin, empfinde ich es als ernüchternd, wenn meine Ratschläge im Anschluss in den Wind geschossen werden. Wenn man sich mit der medizinischen Akribie eines Dr. House der Sache annahm und dann tatsächlich kommentarlos ignoriert wird. ;-)


Den Patienten in der Klinik kann man sagen, wie sie sich verhalten sollen. Ob sie es dann tatsächlich tun oder nicht tun, ist ihre eigene Verantwortung. Im privaten Umfeld dagegen schadet einem das ungesunde Verhalten seiner Nächsten auch selbst. Denn schließlich hängt man an Ihnen und sieht, wohin sie mit diesem ungesunden Verhalten hinsteuern. Zu sehen wie sie medizinische Ratschläge in den Wind schießen, schmerzt einen besonders, weil man täglich mit Krankheitsbildern konfrontiert ist, die eben auf jenes vermeidbare ungesunde Verhalten zurückzuführen sind. Das Problem ist folgendes: Die Voraussetzung für eine gesunde Arzt-Patienten-Beziehung ist schlichtweg die ärztliche Autorität. Und genau diese fällt bei der Behandlung von Freunden weg. Von der Unmöglichkeit seine eigenen Eltern zu behandeln - das wird jeder Arzt bestätigen können- will ich hier nicht mal reden. ;-)

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