Dienstag, 15. März 2016

Unser humanitärer Einsatz in Kenya


Mein Einsatz im Rahmen einer humanitären Projektes in Kenya kommt näher und näher.

Was erwartet uns dort als Ärzte? Wieviel von unserem Idealismus wird diesen Einsatz angesichts der vorzufindenden, ernüchternden Realität überleben?

Zeit sich noch mal klar zu machen, wie ich dazu komme, mich einem türkischen Ärzeteam anzuschließen, das in einen kenianischen Krankenhaus humanitäre Hilfe leisten will.

"Idealismus setzt Freiheit voraus," das habe ich während meiner klinischen Arbeit in Deutschland verstanden: Wenn der Arbeitsdruck groß ist und alles durch Algorithmen und Leitlinien reglementiert ist, bleibt kein Raum für Idealismus. Alles was man dann tut, erfolgt aus der Pflicht heraus. Man muss dabei einem äußeren "Ideal" entsprechen  - Idealismus dagegen ist   internalisiertes Pflichtbewusstsein. Er kann nur erfolgen, wenn der zusätzliche Wille (ein Bonus) die Pflicht übertriffen kann. Wenn die Arbeitsbelastung groß genug ist, wird man irgendwann schlichtweg nicht die Kraft und Einsicht haben eine wohlwollende Zusatzleistung zu erbringen - und nichts anderes ist Idealismus.

Dieser Idealismus ist also mitunter ein Grund, warum ich nach Kenya fliege. Jegliche Arbeit dort, wie einfach sie nach deutschen Masstäben auch wäre, wird als Idealismus zu verzeichnen sein. Was aber, wenn die Arbeitsbelastung, auf die ich mich aus idealistischen Motiven einlasse, so groß wird, dass ich diese humanistischen Gefühle in jenen Momenten nicht mehr nachempfinden kann? Wird mein zukünftiger Idealismus dadurch keinen Schaden nehmen?

Zur Philosophie kam ich, nachdem man meinen Verstand tatsächlich angezweifelt hatte. Nun lag es an mir den in mir angezettelten Zweifel durch den "methodischen Zweifel", den man in der Philosophie als Mittel zur Annäherung an die Wahrheit anwendet, zu  beseitigen. Mich auf die "Kunst des Denkens" (Philosophie) einzulassen, war das vernünftigste, das ich machen konnte, um mich meiner eigenen Geisteskräfte zu vergewissern. Die Philosophie als Fortsetzung der Medizin, als Therapeutikum.

Nun waren Ethik und Moralphilosophie meine Fächer. Währenddessen hat jemand mal gesagt: "Die Philosophen haben die Welt nur gedeutet - es gilt aber sie zu verändern." Von der Theorie in den Vorlesungen nach Kenya ist es dann nicht mehr weit.